Titelthema

Einfach mal die Seele baumeln lassen ...

Begrüßung von Dr. Christian Waterkamp
Vorstand (CEO) Diakonieverein Bruchsal e. V.

Liebe Leserinnen und Leser,

Sommerzeit – Urlaubszeit – freie Zeit – eine Einladung, die Seele baumeln zu lassen.

Mal nicht planen, den Tag auf sich zukommen lassen, sich vielleicht mit einem Buch gemütlich irgendwo hinlegen oder eine Tagesreise beginnen. Vielleicht sind es gar viele Tage, die man weiter weg an einem bekannten oder ganz neuen Ort, gemeinsam oder allein, verbringen darf. Eintauchen in eine neue Umgebung, möglicherweise wandern, einen Gipfel besteigen, in das Wasser eines Baggersees oder eines Meeres springen. Die Wörter „du musst“ gehen nicht mit auf die Reise, einfach das tun, wonach mir gerade ist.

„Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele“, schrieb Kurt Tucholsky 1931 in seiner Erzählung „Schloss Gripsholm“. Sicherlich ahnte er nicht, welches Ausmaß diese Formulierung einmal einnehmen würde. Wellness-Center, Reisekampagnen, Werbeagenturen greifen diesen Satz auf, indem sie schreiben: „Lassen Sie die Seele baumeln.“ Die Redewendung „Die Seele baumeln lassen“ meint wohl: Rauskommen, Abstand gewinnen, eine Auszeit vom Alltag nehmen, entspannen, sich selbst und vieles einfach vergessen, mit sich und den guten Gedanken unterwegs sein. Keine Termine, keine Hetzerei, kein Streit. Um dieses zu erleben versucht uns die Werbung häufig anzuraten, wegzulaufen, möglichst weit zu fliegen, sich in Wellness-Oasen aufhalten, „Auf der faulen Haut liegen“.

„Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele.“ Tucholskys Worte setzen da an, wo die Redewendung heute endet. Gemeint ist eine Auszeit, die man für sich selbst nutzt, um mit sich ins Reine zu kommen. Es ist eine Wahrnehmung des eigenen Ichs und auf dem Weg zum eigenen Ich begleiten mich möglicherweise Fragen: Wie geht es mir? Bin ich glücklich? Was läuft falsch und was besonders gut? Tucholskys Figuren baumelten mit ihrem Fühlen, mit dem, was sie dachten, empfanden und beschäftigten sich so mit sich selbst. Gemeint ist ein In-Sich-Kehren – egal, wann und wo.

Ja, wir dürfen es uns gut gehen lassen, uns selbst finden oder uns neu entdecken. Ja, und das kann sein bei ausgelassenem Tanzen, auch beim Liegen am Strand, Abtauchen im Wasser und die Luft anhalten, Wandern, Fahrrad fahren, sich in der Hängematte räkeln, Fotos oder Filme ansehen, erst spät aufstehen oder spät zu Bett gehen oder bei einem gemeinsamen Spiel endlich mal wieder siegen. Und dann entstehen Momente, in denen man möglicherweise das Datum des Tages nicht spontan weiß oder am Geldautomaten die PIN nicht sofort richtig eingibt.

Ist es nicht wunderbar, dass es diese Momente gibt, in denen alles um einen herum vergessen scheint? Ist es nicht wunderbar, sich dies erlauben zu dürfen, ganz einfach hier und jetzt da zu sein. Ein wenig mag es uns daran erinnern, dass wir wieder eintauchen in ein Lebensgefühl, das wir als Kinder kannten, wenn wir möglicherweise stundenlang Sandburgen gebaut haben, Bilder malten, im Wald und auf Wiesen herumtollten. Es ist das Lebensgefühl aus Kinderzeiten. Nur im Lauf des Erwachsen-Seins haben wir möglicherweise viel davon verlernt.

Schön, wenn wir solche Momente und Gefühle in uns wieder entdecken, Ruhe und Gelassenheit machen sich breit.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen Momente, in denen wir „die Seele baumeln lassen“.

 

Mit freundlichen Grüßen aus der Huttenstraße
Ihr
Dr. Christian Waterkamp


Ausgabe 4/2021

Erschienen am 26.07.2021



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